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| 14.10.2005 Marktberg„Es gibt Grund, Hoffnung zu haben“Von Heiko Schulze Prenzlau. Wie soll es mit der Gestaltung des Marktberges weitergehen? Nachdem die Stadtverordneten mit knapper Mehrheit ihre Zustimmung zu einem Vertrag mit dem Projektentwickler Helmut Schmidt-Sy verweigert hatten, der ein großflächiges Einzelhandelszentrum mit „Kaufland“ als Frequenzbringer als Ziel anvisierte, droht Stillstand. Bürgermeister Hans-Peter Moser (Die Linke.PDS) selbst bezeichnet die momentane Situation als „schwebenden Zustand“. Ein Grund dafür, dass er am Mittwochabend Händler der Innenstadt eingeladen hatte, um gemeinsam darüber zu beraten, wie jetzt weiter verfahren werden soll. Moser griff dabei den Vergleich des Stadtverordneten Oswald Werner (SPD) auf, der davor gewarnt hatte, mit dem Marktberg „das Herz der Stadt zu verkaufen“. „Das Herz der Stadt, das Zentrum, steht kurz vor dem Infarkt. Dass wir die Friedrichstraße sanieren, an den Häusern etwas machen wollen, entspricht nur dem Legen von Bypässen. Damit die Innenstadt gesunden kann, benötigt sie einen Herzschrittmacher im Zentrum. Allein mit Schönheitsreparaturen bekommen wir das nicht hin“, baute Moser den „Herz“-Vergleich weiter aus. Zudem müsse zügig gehandelt werden im Interesse der Händler und Gewerbetreibenden in der Innenstadt und nicht zuletzt auch im Interesse des städtischen Unternehmens Wohnbau GmbH. Die mittlerweile zur Hälfte leerstehenden Wohnungen auf dem Marktberg würden der Gesellschaft jährlich einen Verlust von zirka 200 000 Euro bescheren. „Wir stehen vor der Entscheidung, gefördert über den Stadtumbau Ost abzureißen oder die unsanierten Wohnungen billig auf dem Markt anzubieten und so ein Klientel anzusiedeln, mit dem nicht unbedingt das Niveau der Innenstadt gehoben wird.“ Doch selbst wenn das Geld zur Sanierung der WBS-70-Blöcke auf dem Marktberg vorhanden wäre, würden sie dadurch nicht wesentlich attraktiver werden: „Sie entsprechen auch nicht mehr den heutigen Erfordernissen.“ Bisher, so Moser, sei in der mittlerweile fast zwei Monate geführten öffentlichen „Marktberg-Diskussion“ auch kein ernsthafter Alternativvorschlag zur Ansiedlung eines Einkaufszentrums vorgelegt worden. „Um pulsierendes Leben in die Innenstadt zu bekommen, braucht es das ,Trio‘ aus einem Frequenzbringer, Filialisten und Einzelhandelsgeschäften“, schildert er nicht zuletzt an den „funktionierenden Beispielen“ Marktkauf und Sparkassen-Center. In der Prenzlauer Innenstadt fehlten dagegen ein Frequenzbringer und – neben Rossmann – weitere Filialisten. Vize-Bürgermeister Helaman Krause (parteilos) betonte, dass darüber Konsens bestehe, dass der Abriss der Bebauung auf dem Marktberg vernünftig und wirtschaftlich sei: „Was wir aber auf jeden fall verhindern werden ist, dass wir abreißen und ein Loch in der Stadt zurücklassen.“ Das geplante Einkaufszentrum sei auf keinen Fall „mit einem flachen Ding auf der grünen Wiese“ zu vergleichen: „Es wird ein etwa dreigeschossiges Gebäude, das von seiner Architektur her durchaus den Ansprüchen, die dieser herausragende Standort stellt, Rechnung trägt.“ So appellierte Krause, das Gebot der Stunde zu erkennen und als Chance für alle Seiten zu nutzen: Über den Stadtumbau Ost werde der Abriss der Wohnbau GmbH und damit der Stadt quasi keinen Euro kosten und es gibt einen Investoren, der in Prenzlau bereit ist Millionen zu investieren: „Da sollten wir zugreifen und darauf achten, dass das, was entsteht, ansehnlich ist. Es gibt keinen Grund, Ängste zu haben, aber es gibt einen Grund, Hoffnungen zu haben.“ Prenzlau könne in den nächsten fünf Jahren „völlig anders aussehen“ und Ortsunkundige würden dann nicht mehr – mitten im Zentrum stehend – fragen müssen, wo sich dieses denn befindet. „Die Kuh ist mächtig aufs Eis geschoben wurden. Lassen sie uns gemeinsam ganz allmählich und sachlich daran arbeiten, sie wieder vom Eis zu bekommen“, bat er die anwesenden Händler auch gegenüber den Stadtverordneten und Fraktionen ihre ureigensten Interessen an der zügigen Entwicklung einer attraktiven Innenstadt zu vertreten. Was die Erarbeitung weiterer Konzepte und Studien betrifft, vermochte Krause darin keinen Sinn zu erkennen: „Prenzlau ist seit Jahren und Jahrzehnten ,Planungsweltmeister‘. Insgesamt wurden bereits 3,5 Millionen Euro in Planungsunterlagen gesteckt, die alle nicht das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben stehen. Wenn ein Investor, ein Unternehmer bereit ist, in Prenzlau zu investieren, fragt er nicht in der Stadt nach, ob ein Einzelhandelskonzept vorliegt, sondern rechnet selbst durch, ob es sich für ihn unterm Strich lohnt.“ Sicherlich könne niemand eine Garantie geben, wie sich das Projekt auf jeden einzelnen Händler konkret auswirken wird, dennoch sollte man den Mut haben, dieses Risiko einzugehen: „Unternehmer sind durchaus in der Lage, sich auf neue Situationen einzustellen, so dass alle gemeinsam Vorteile davon haben werden. Wir sollten uns aber davor hüten, eine Sache solange zu bedenken, bis sie bedenklich wird.“ Iris Beetz begrüßte wie die Mehrheit der anwesenden Geschäftsleute die Idee eines Frequenzbringers in der Innenstadt als einen logischen Schritt: „Dennoch wollen wir aus vergleichbaren Städten und in Gesprächen mit der IHK und dem Einzelhandelsverband in Erfahrung bringen, ob dieser Schritt für die kleineren Fachhändler sich als ein Gewinn auswirke, sie stört oder nicht stört.“ Inzwischen habe man beispielsweise aus Neubrandenburg und Potsdam erfahren können, dass dort im Vorfeld solcher Entscheidungen vergleichbare Ängste unter den vorhandenen Gewerbetreibenden verbreitet waren. Inzwischen zeige sich dort nach Auskunft des Fachverbandes ein Großteil der Händler froh über dieses „Wagnis“ oder zumindest davon nicht gestört. Quelle: Prenzlauer Zeitung 5994 |